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Pleitewelle bei Mittelstandsanleihen: Übersicht über die bisherigen Fälle

Die Ausfälle von Mittelstandsanleihen häufen sich: Auch die Beteiligungsgesellschaft der durch die Serie Traumschiff bekannt gewordenen MS Deutschland, die MS ‚Deutschland‘ Beteiligungs GmbH hat nun Ende Oktober Insolvenz angemeldet. Zuletzt hat mit dem Biogasanlagenbauer MT Energie einen Insolvenzantrag gestellt. Der 21. insolvente Emittent von rund einhundert am Anleihenmarkt vertretenen mittelständischen Unternehmen. Insgesamt sind durch die Insolvenzanträge Anleihen im Wert von rund 919 Millionen Euro (ohne die Anleihen des Baukonzerns Alpine) betroffen.

99,96% oder 3,65 Millionen der deutschen Unternehmen gehören zum Mittelstand. Sie erwirtschaften rund 37 Prozent des gesamten Umsatzes der Unternehmen in Deutschland und  beschäftigen über 15 Millionen Arbeitnehmer. Im Jahr 2011 lag die Eigenkapitalquote der KMU bei 22,8% und die der Großunternehmen bei 29,5%. (Quelle IfM, Bonn)

Auffällig sind besonders die Ausfälle von Solarunternehmern und deren Zulieferern.  Die Insolvenzen  in diesem Sektor starteten mit dem Solarunternehmen Solar Millennium im Jahr 2011.  Die SAG Solarstrom, Solen AG, Solarwatt, Centrosolar und der Zulieferer Rena folgten. Mit SiC Processing ging ein bedeutender Recycling-Dienstleister der Solarindustrie insolvent. Anleger im Bereich anderer alternativer Energien fürchten ebenfalls um Ihre Einlagen, seit die Windanlagenbauer SIAG Schaaf und Windreich, der Ökostromanbieter BKN Biostrom und der Biogasanlagenbauer MT Energie insolvent sind.

Die Insolvenz traf aber auch diese Emittenten: Die Modeunternehmen Rena Lange und Strenesse, den Online-Versandhändler für Elektronikprodukte getgoods.de, den Hersteller für Ersatzbrennstoffe FFK Environment, den Brühwürfelponier Zamek, den Immobilienkonzern Golden Gate, den Fahrradhersteller Mifa, den Telekommunikationsdienstleister Mox Telecom, den Personaldienstleiter hkw personalkonzepte, den Lebensmittelhersteller Schneekoppe  und die deutsche Tochter des österreichischen Baukonzerns Alpine.

Die Stimmung am Anleihenmarkt ist, trotz teilweise erfolgversprechender Sanierungen auch in Eigenverwaltung, düster. Im ersten Halbjahr 2014 gab es am deutschen Markt nur acht neue Emissionen für Mittelstandsanleihen. Darüber hinaus warnt die  Ratingagentur Scope Ratings AG für die Jahre 2017 und 2018  vor Refinanzierungsrisiken – dann werden Anleihevolumen von insgesamt 1,6 Mrd. bzw. 2,4 Mrd. Euro auslaufen. Aktuell sollen bessere Prüfmechanismen das beschädigte Image der Anleihen wiederherstellen.  Ob diese allerdings private Anleger von emotionalen Angst-Gier-Entscheidungen abhalten können, bleibt fraglich.

Übersicht über insolvente Unternehmen aus dem Bereich der Mittelstandsanleihen

UnternehmensEmissionsdatumInsolvenz-antragAnleihe-volumen in Mio €
MT-Energie GmbH 04.04.2012 08.10.201430
SIAG Schaaf Industrie Aktiengesellschaft 12.11.2011 19.03.201250
BKN biostrom 06.06.2011 13.06.201213
SiC Processing 01.03.2011 20.12.201282
Solar Millennium 15.07.2010 21.12.201150
SAG Solarstrom 15.12.2011 / 11.07.2011 13.12.201375
Solen AG 08.04.2011 22.04.201328
Centrosolar 15.02.2011 18.10.201350
Rena 15.12.2010 / 11.07.2013 26.03.2014117
Rena Lange 12.12.2013 11.09.201410
Strenesse 15.03.2013 16.04.201412
getgoods.de 16.02.2013 15.11.201360
Zamek 15.05.2012 24.02.201445
FFK Environment 01.06.2011 24.10.201325
Golden Gate 11.04.2011 02.10.201430
MiFa 12.08.2013 29.09.201425
Mox Telecom 02.11.2012 17.06.201422
Schneekoppe 20.09.2010 08.08.201410
hkw Personalkonzepte 15.11.2011 10.12.201310
Windreich 01.03.2010 / 15.7.2011 06.09.2013175
MS 'Deutschland' Beteiligungs GmbH18.12.201229.10.201460

*tatsächlich eingenommene Summen

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2 Responses to Pleitewelle bei Mittelstandsanleihen: Übersicht über die bisherigen Fälle

  1. Evelyn26 15. November 2014 at 13:32 #

    Hallo,
    Ein interessanter Artikel..Es ist schon schockierend, wieviele Unternehmen Insolvenz beantragen müssen..Ich selbst frage mich dann: Wie kann man als mittelständisches Unternehmen eine Insolvenz verhindern? Liegt der Grund einer Insolvenz nur an der schlechten Wirtschaftslage? Oder wurde falsch kalkuliert? Hmm…das beschäftigt mich…

  2. Christina 28. November 2014 at 18:06 #

    Hallo Evelyn,

    nur mal so in Kurzform: Es gibt ganz unterschiedliche Ursachen für Insolvenzen. Es können endogene (aus dem Unternehmen) oder exgogene (aus dem Unternehmensumfeld, also Markt- u. Wirtschaftslage etc.) Ursachen sein. Oft ist es auch eine Mischung von beiden.

    Endogene Gründe können sein: Mängel in der Finanzplanung und in der Kostenrechnung, fehlerhafte Investitionen, unzureichendes Eigenkapital, aber auch eine schlechte Zahlungsmoral der Kunden etc.,etc. Es gibt auch kleinere Unternehmen, die z.B. nur auf zwei Großkunden bauen. Fällt einer weg, schon kann die Unternehmenskrise da sein. Bei der letzten Finanzkrise in 2008/2009 haben viele Unternehmen Schwierigkeiten bekommen, weil sie die jährlichen Bankkredite zur Vorfinanzierung der Produktion aufgrund der Kreditklemme nicht mehr erhalten haben.

    Diese endogenen Gründe kann man versuchen, zu vermeiden. Exogene Gründe, wie eine allgemneine schlechte Wirtschaftslage kann man schlecht beeinflussen, aber man kann versuchen, sich mit seinem Unternehmen weitgehend so stabil zu positionieren, dass man schwierige Phasen dennoch meistern kann. Im Vorfeld einer Krisensituation gibt es meistens auch schon Signale, die aber nicht immer leicht zu erkennen sind.

    Hoffe, das hat etwas geholfen.

    Viele Grüße
    Christine

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